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Jungscharpioniere ziehen nach Westen

 

Weite Steppenlandschaft, wilde Schiessereien im Saloon, rasante Verfolgungsjagden zu Pferd. Das wollten die Leiter der Jungscharen Gilboa und Colori den Jungschärlern im diesjährigen Sommerlager bieten. So war es auch nötig, dass sich die Leiter bereits drei Tage früher zum Lagerplatz begaben um dort ein jungschimässiges Fort zu errichten. Tipi, Marterpfahl, grosses Lagerfeuer und Saloon mit authentischer Saloontür durften keineswegs fehlen, wenn sich die Kinder wie im Wilden Westen fühlen wollten. Zum Glück konnte man hier auf den Jungschareigenen Schreiner zurückgreifen.

Am Samstag holten dann die Jungscharleiter die 45 Kinder beim Bahnhof Kirchberg-Alchenflüh ab und sattelten mit ihnen zusammen die Drahtesel und zogen nach Westen in das schöne Bangerten, wo eine Woche voller Abenteuer auf sie wartete. Auf dem Lagerplatz wurden die Jungschärler anschliessend in Cowboys und Indianer aufgeteilt und wurden dementsprechend mit historisch akkurater Kleidung ausgerüstet. Nach einem Spielturnier zwischen Indianer und Cowboys war es auch schon Zeit, dass sich die Kinder in ihre Zelte begeben mussten. Doch sollten die Jungschärler nicht allzu lange ihre Ruhe haben, denn wie in jedem Sola gab es auch dieses Jahr wieder eine Jungschartaufe. Um 3 Uhr morgens wurden die 16 Täuflinge von den Daltons aus ihren süssen Träumen gerissen. Zusammen stahlen sie dann „Mohrechöpf“ aus dem Lagerkiosk, doch diese waren, wie sie später mit Entsetzen  feststellen mussten, mit Ketchup und Senf gefüllt. Nachdem Lucky Luke diese Kioskdiebe gefasst und vor den obersten Richter gebracht hat, wurden sie mit einem Becher Wasser ins Gesicht mit einem eigenen Jungschinamen getauft. Am Sonntagmorgen traf man sich dann in den nach Alter aufgeteilten Gruppen zu einem Gottesdienst. Bevor es vergessen wird muss hier noch ein Lob an unsere Küchenmannschaft gerichtet werden, die in dieser Woche unglaubliches geleistet hat. So wurden für das Mittagessen 400 Scheiben Toast zu Toast Hawaii verarbeitet. Am Nachmittag entbrennte dann plötzlich ein Streit zwischen den Cowboys und Indianern. Man war sich nicht einig auf wessen Land das Lager steht. So kam es kurzerhand zu einem Kräftemessen. In einem Geländespiel ging es schliesslich darum seine Vorherrschaft durchzusetzen und das Land zu bebauen. Diese Feindseligkeiten wurden aber im Verlauf des Abends wieder begraben und man konnte friedlich zusammen ums Lagerfeuer sitzen, singen und einander spannende und fantasievolle Geschichten erzählen. Nach einer ruhigen Nacht, mussten die Kinder jedoch feststellen, dass die Daltons wiedereinmal geflohen sind. Dies entmutigte sie jedoch keineswegs. Sie waren sofort bereit diese Verbrecher aufzuspüren. Nach einem stärkenden Frühstück ging es dann auch schon los, denn es sollte eine lange Reise werden. In sengender Hitze und durch trockene Steppen machten sich die Jungschärler auf, diese Daltons wieder dingfest zu machen. Einige Kilometer und viele „Wie wyt isch es no?“ später, war man dann in Schüpfen angelangt. Dort bekam man dann die Information, dass man die Daltons in der Badi gesehen habe, sie aber schon wieder weitergegangen sind. Wenn man schon in der Nähe einer Badi ist, kann man sich ja noch ein bisschen im kühlen Wasser erholen. Gesagt, getan. Doch leider waren die Daltons immer noch nicht hinter Schloss und Riegel und so machte man sich wieder auf die Socken. Unterwegs stellte sich noch ein bedrohliches Gewitter in den Weg. Jenes wurde aber mit moralsteigerndem Gesang übertönt und schliesslich konnte man die Daltons in Dieterswil ausfindig machen und fürs erste wieder einsperren. Und wie es das Westernfeeling abverlangt, verbrachte man die Nacht bei Bauer Wale im Stroh. Am Dienstag stand der Besuchstag auf dem Programm. Nach einem kurzen Fussmarsch von Dieterswil zurück nach Bangerten, machte man sich umgehend an die Vorbereitungen. Zelte wurden aufgeräumt und der Lagerplatz dekoriert damit die Eltern, die bereits um 17 Uhr anreisten, nicht aus dem Staunen herauskamen. Für ein richtiges Festessen wurde natürlich auch gesorgt. Um die Kinder von ihrem aufkommendem Heimweh abzulenken, dachte man sich ein kräfteraubendes Nachtspiel aus, damit die Jungschärler dann auch so richtig gut schlafen konnten.  Am nächsten Tag ging es dann mit nervenaufreibender Action weiter, denn die Daltons waren schon wieder ausgebrochen und hatten um sich zu rächen den Jungschärlern das Zvieri gestohlen. Man verfolgte sie bis nach Jegenstorf, doch dann verlor man ihre Spur. Die Jungschärler teilten sich auf und in einem gut ausgedachten Dorfspiel ging es darum verschiedene Aufgaben zu lösen, manchmal auch mit den Dorfbewohnern zusammen. Am Abend konnte man sich dann so richtig verwöhnen lassen, denn es war Wellnessabend  angesagt. Massage, Maniküre, Hairstyling, gesunde Snacks. Das volle Programm. Am Donnerstagmorgen gab der Häuptling Listiger Lurch bekannt, dass sich in der Nähe eine Goldader befände und dass die Badi in Messen ein hervorragender Ort wäre um Gold zu waschen. Dies liess man sich natürlich nicht zweimal sagen. Durch das Goldfieber beflügelt, war man schon in null Komma nichts bei der Badi angelangt. Das Gold schien jedoch weniger wichtig wie der Spass und die Freude am kühlen Nass. Auf dem Rückweg mussten dann die Jungschärler lernen, dass man alles, was man auf dem Hinweg runtergefahren ist, auf dem Rückweg wieder Hochfahren muss. Diese Mühen waren aber schnell vergessen, als der Jahrmarkt am Abend seine Türen öffnete. So konnte man bei einer Runde Poker oder Blackjack sein ganzes Hab und Gut aufs Spiel setzen, ein Schweinchen jagen oder einfach gemütlich am Lagerfeuer sitzen und Lieder singen. Doch auch dieser letzte Abend ging zu Neige. Am letzten Tag mussten so viele Leiter für den Abbau zur Verfügung stehen wie möglich, so entschied man sich die Jungleiterprüfung, auf die die drei Novizen schon ganz gespannt waren, auf diesen Tag anzusetzen. Die Novizen hatten vorher knapp zwei Tage Zeit um je ein Programmblock für den Morgen und den Nachmittag zu planen. So war dann gewährleistet, dass die anderen Leiter genug Platz und Zeit hatten den Lagerplatz abzubauen. Nun war man am Ende des Lagers angelangt und die Kinder sattelten ein letztes Mal ihre Drahtesel und ritten dem Sonnenuntergang entgegen.

 

Fabian Gilgen (Wisl)

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