Kirche Kirchberg

Wann wurde sie errichtet? Der Bau reicht weit in die vergangenen Jahrhunderte zurück. In der Mitte des Chorbogens steht die Jahreszahl: 1506. Doch der Ursprung unserer Kirche fällt mit dem Übergang zum Christentum zusammen, der in unserer Gegend im 10. Jahrhundert vollzogen wurde. Von diesem Vorgängerbau ist am heutigen Bau fast gar nichts mehr zu sehen. Wir wissen einzig aus einem Schriftstück davon: Unsere Kirche wird im Jahr 994 im Zusammenhang mit einer Schenkung erwähnt. Damals wurde der Ort noch Chilcberc geschrieben. Die Fundamente, die man ausgegraben hat, deuten auf eine romanische Kapelle hin.

 

  1. Eine romanische Kapelle

Die Kirchen dieser Zeit stehen alle auf felsigem Grund, denn Petrus – das bedeutet Fels – ist der Gründer der Kirche. Das nahmen die Baumeister wörtlich und bauten die Kirchen alle auf Fels. Von der Südseite her ist dies bis heute gut sichtbar. Die Kirchen in dieser Zeit sind wie eine Burg mit dicken Mauern, die zeigen: Gott schützt dich – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Und noch etwas entdeckte die Forschung: Steine aus einer römischen Villa. Diese sind in die Fundamente des Kirchturms eingebaut. Als römisch sind die Steine zu erkennen, weil die eingemeisselten Ornamente eindeutig aus dieser Zeit stammen: aus den Jahren 200-300 nach Christus. Dazu gibt es auch eine passende Legende: Die erste Kirche im Raum Kirchberg hätte in Ersigen gebaut werden sollen, wo einst eine römische Villa stand. Schon war das Fundament ausgehoben, da wanderten die Steine in der Nacht alleine nach Kirchberg auf den Kilchhoger. Das sei mehrere Male hintereinander passiert. Die Bauherren nahmen das als Hinweis, dass der Kilchhoger der von Gott ausersehene Platz für die künftige Kirche sei.

 

  1. Eine gotische Kapelle

Im 13. bis 15. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach umgebaut, vergrössert und dem neuen, gotischen Stil angepasst. Leider wissen wir aus dieser Zeit nur sehr wenig. Die Ausgrabungen weisen darauf hin, dass entweder die Kapelle selbst oder Gebäude daneben einen Wehrturm hatten. Einmal gehörte Kirchberg dem lokalen Adel, dann wieder einem Kloster, dann wieder dem Adel usw.

 

  1. Die spätgotische Kirche

Im Jahre 1481 kaufte die Stadt Bern Kirchberg dem Kloster Selz im Elsass ab. Das wirkte wie ein Paukenschlag. Um 1500 wurde ein neuer, weit grösserer Kirchenbau in Angriff genommen, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte. Die neue Kirche war viermal so gross wie die alte. 1506 wurde der Chorbogen fertiggestellt. Aus dieser Zeit (1520) stammen die grossen Fenster (mit Fachausdruck Stichbogenfenster), die Kanzel und der achteckige Taufstein. 1521 wurde die Kirche eingeweiht. Der Stil ist spätgotisch; da und dort schon barock. Auch der Turm wurde bald einmal fertig gestellt und ab 1593 lief sogar eine Turmuhr.

Hell und klar soll der Kirchenraum sein, lichtdurchflutet und schlicht. Hell und klar soll darin das Wort Gottes verkündet werden. Das ist kurz gesagt die Theologie der Reformation. Sie erinnern sich vielleicht an das Schlagwort: „Sola scriptura,“ was bedeutet, die Schrift allein sei auszulegen. 1528 wurde die Reformation im Staate Bern „verordnet“. Bern finanzierte auch den Neubau der Kirche. Neu wurde dort das Chorgericht durchgeführt. Dort musste erscheinen, wer sich z.B. in der Ehe etwas zuschulden kommen lassen hatte. Bern war präsent. Das war auch am Bau sichtbar: An der Decke im Chorraum prangte bis 1963 ein grosses Berner Wappen.

 

  1. Vom Barock bis heute

Heute fällt Ihnen in der Kirche sofort die geschwungene und mächtige Portlaube auf. Wann sie eingebaut wurde, ist nicht ganz klar. Vom Stil her ist die Portlaube eindeutig Barock und es muss um 1700 gewesen sein; wahrscheinlich im Zusammenhang mit der neuen Orgel, die um das Jahr 1740 das erste Mal erklungen sein dürfte, also auf dem Höhepunkt der Orgelkompositionen, in der Zeit von Johann Sebastian Bach.

Immer wieder gab es grössere oder kleinere Veränderungen, um die Kirche dem Geschmack und den Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Die jüngste kleine Veränderung wurde von einem Besucher angeregt. Der kam rein und fragte: Wo gibt es ein christliches Symbol in dieser Kirche? Zum Beispiel ein Kreuz, damit klar wird, dass es sich um ein christliches Gebäude handelt? Ich verwies auf die Bibel auf dem Abendmahlstisch. Allerdings war die kaum sichtbar. Die vorläufige Lösung: Wir stellten die Bibel auf ein transparentes Lesepult auf den Taufstein, so dass sie von weit her sichtbar ist. Am Tag reflektieren die Ränder des Lesepultes das Licht der Kirchenfenster und der Blick wird direkt auf die Bibel gelenkt. In der Romanik war der Chorraum, der Ort mit dem meisten Licht, der Ort, wo Gott war. Wir haben ein altes Stilmittel mit dem „sola scriptura“ der Reformation verbunden: Glaube, Liebe, Hoffnung gründen in Gottes Wort.